Pforzheim – die Pforte zum Schwarzwald, oder so.

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Kommen wir nun zum zweiten Teil meines letztens Trips. Ab in den Süden. Aufmerksame Leser fragen sich jetzt bestimmt: Was ist denn aus dem Plan, 1.Klasse – Wagon in Starlight Express zu werden, geworden? Keine Sorge, ich arbeite daran und werde nun ganz keck Essen überspringen, da mich mit der Stadt Essen mehr verbindet, als dieser Artikel in Wörtern jemals hergeben könnte. Bücher könnte ich schreiben, beziehungsweise wurde das passende Buch von meiner Freundin schon entdeckt. Sie drückte mir besagtes Buch mit dem Titel: „Für immer vielleicht“ mit den Worten: „Les das!“ in die Hand und ich muss zugeben, schon recht passend. Deswegen bin ich zu dem Entschluss gekommen, Essen in den passenden Momenten lediglich mit einfließen zu lassen.

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Nun fällt es mir sehr schwer eine passende Überleitung vom Champagnerabend mit Amuse – bouche zu meinem nächsten Ziel zu finden. Die einzige Gemeinsamkeit, die mir dabei einfällt, ist die Aussprache von Champagner und zwar (S)Champagner. Genau es geht zu den Schwaben oder zu den Badenern? Was es damit auf sich hat, wollte ich auf jeden Fall herausfinden. Ich muss zugeben, mein Jungfernbesuch war schon einige Zeit davor. Auf diesen Besuch möchte ich nicht näher eingehen, da ich hierbei arglistig getäuscht worden bin, mit einer Einladung von meiner dort ansässigen Freundin: „Franzi, komm doch mal nach Pforzheim wir gehen schön gemütlich auf ein Weinfest, nicht irgendein Weinfest, sondern auf das bekannte Ochlslefest, und sitzen nett zusammen.“ Das Fest ist wirklich empfehlenswert und der Wein war gigantisch, vor allem der Oechsle Rosé 2014er Kürnbacher Lerchenberg Schwarzriesling rosé Weingut Plag, Kürnbach. Dazu gab es für mich einen Räuberteller, das bedeutete, ich aß bei allen anderen mit, um von jeder regionalen Spezialitäten kosten zu können. Gefühlte drei Atemzüge, einer verlorenen und wieder gefundenen Herzlinie später, saß ich vor einem Frühstück, das ich spontan ausfielen lies, da mein Hunger recht sparsam war. Sparsam? Wurde ich wohl über Nacht zum Schwaben?

Also gab ich Pforzheim eine weitere Chance. Leider waren an diesem Tag meine handvoll Bekannten nicht in der Stadt. Aber das störte mich nicht besonders – im Gegenteil. Also überlegte ich mir, wie ich am schnellsten neue Kontakte knüpfen könnte, die mir dann evtl. sogar etwas über diese Region berichten. So kam ich auf die glorreiche Idee: Couchsurfing! Um es kurz zu halten, für meine Anfragen bezüglich dessen war Pforzheim noch nicht bereit. Alles was blieb, waren Absagen, die ein oder andere Beziehungskrise und mein neuer Ruf. Hipp, hipp, hurra. Aber aufgepasst, auch das störte mich nicht. Ich wollte ja lediglich eine Couch und keine Niere oder dergleichen. Deswegen wurde es das Hotel „Guter Hoffnung“. Schon der Name war überzeugend dazu noch die zentrale Lage – Jackpot.

Kurz im Hotel ausgeruht, frisch gemacht und binnen Sekunden absolutes Chaos verbreitet, weil man lediglich auf der Suche nach einer Haarklammer in seinem Koffer war, die man natürlich nicht gefunden hat. Ich kauf ja nur im Monat 300 Stück davon. Kurz abreagiert und Richtung Besitos , eine spanische Tapas – Bar , los marschiert. Dieses Lokal traf genau meinen Geschmack. Die Bedienungen waren sehr freundlich, die Wartezeit war kaum vorhanden und das Tapasangebot war grandios. So grandios, dass ich vor lauter Euphorie vergaß, ein Foto davon zu machen – sorry. Einziger Nachteil: Die gefühlten 20 Tonnen Knoblauch an den Gerichten. Naja was soll´s, dann hat man heute „leider“ eben keine Rose für mich. Genau oberhalb des Besitos war das Lehners. Hierbei handelte es sich um eine charmante Bar, die zum Verweilen einlud. Pforzheim ist voll mit solchen tollen Bars, vom Exil übers Rosenrot bis hin zum Livings, und so wurden schnell neue Kontakte geknüpft und Alte, resultierend aus dem ersten Besuch, wieder gefunden. Gemeinsam ging es dann in den stadtbekannten Club namens Sägewerk und spätestens als der Türsteher mich mit Namen begrüßen und mir ein flottes – „na – da bösch wieder“ – entgegen bringen konnte,  wurde mir klar, da warst du schon mal. Es war ein wunderschöner Abend und jeder, der die 90iger gut miterlebt hat, kann sich vorstellen, was für eine Stimmung im Club herrschte, als das Lied „Wanna be“ der Spice Girls angespielt wurde.

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Aber ich hatte ja noch eine Mission. Warum mögen sich Badener und Schwaben nicht? Also startet ich kurzerhand eine Umfrage. Die Antworten waren mehr als amüsant. Die beste Begründung war: Fußball! Ja ne, ist klar. Eine jahrhundertelange, andauernde Feindschaft aufgrund vom VFB Stuttgart und dem Karlsruher SC. Die wohl plausibelste Begründung kam von Klaus aus Kiel, der mir erklärte, dass diese gewisse „Feindschaft“ schon vor dem Zusammenschluss von den Ländern  Baden und Württemberg bestand. Zu guter Letzt bekam ich noch eine gratis Anekdote erzählt, um  das Völkchen besser verstehen zu können. Diese möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

„Guete Tag“, sagt der Badener fröhlich. Der Schwabe würdigt ihn keines Blickes.
„Isch de Platz nebe Ihne noch frii?“. Der Schwabe äußert sich nicht und futtert weiter.
Der Badener setzt sich ihm gegenüber hin und wünscht: „Guete Appetit!“
Wieder kommt keine Reaktion. Eine Dame mit einer Sammelbüchse betritt den Raum und tippt auch den Badener auf die Schulter:      „Bitte, wir sammeln für die Caritas“. Sofort greift der zum Geldbeutel und spendet 5 Euro.
Daraufhin hält die Dame dem Schwaben die Büchse hin …
Der hebt jetzt sein Haupt, deutet auf den Badener und sagt: „Mir ghörat zamma!“

Leider blieb die wahre Erkenntnis darüber an diesem Abend aus, aber es ist immer wieder schön mitzubekommen, wie lange Feindschaften bestehen können, ohne die Gründe dafür wirklich zu kennen. Die Menschheit kann manchmal echt doof sein.

So komme ich nun schon wieder zu meinem Resumé. Die Zeit war diesmal wirklich knapp, um mehr kennenzulernen, deswegen habe ich beschlossen, nochmal zu kommen. Stuttgart und Karlsruhe müssen natürlich auch noch genauer unter die Lupe genommen werden.

Freizeitangebot: ♥♥♥

Gastronomie  : ♥♥♥♥

berufliche Perspektiven: ♥♥♥

Lebenskosten: ♥♥

Besonderheiten: ♥♥♥

Menschen: ♥♥

Nun schnell wieder packen, der nächste Ort wartet schon. Ob ich diesmal mit dem Auto fahre oder Zürich mit der Propellermaschine anfliege, weiß ich selbst noch nicht. Lassen wir uns mal überraschen.

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Charles Heidsieck Rosé Reserve, denn der geht immer!

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Ready, steady, go! Die Route wurde neu berechnet . Vom Osten, in den Norden, bisschen in den Westen und runter in den Süden. Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber was treibt mich denn in den Norden ? Die pure Angst. Angst? Ja, es die Angst, eines Tages aufzuwachen, von meiner Familie im Wohnzimmer begrüßt zu werden, mit der Bitte, auf Couch Platz zu nehmen, damit dann niemand anderer als Peter Zwegart wild auf seiner Flipchart vor mir rumpinselt und feststellt, dass meine Reisekosten explosionsartig gestiegen sind und meine Einnahmen eben nicht. Also begann meine Reise aus beruflichen Gründen in Münster. Diese Gelegenheit wurde natürlich gleich genutzt, um das schöne westfälische Städtchen zu erkunden.  Mit einer Einwohnerzahl von ca. 303.000 ist diese Stadt nicht zu unterschätzen, genauso wenig die 280.131 280.130 Radfahrer, die sich gerne todesmutig vor mein Auto stürzen.

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So, aber was kann Frau an einem Donnerstagabend in Münster anstellen? Genau, sie könnte an einer Champagnerprobe teilnehmen und die „zwegarische“ Angst stilvoll ertränken. Gesagt – getan. Also ging es in ein  französische Restaurant namens Giverny – Caveau de Champagne. Hier wurde ich von Charles erwartet, um genauer zu sein Charles Heidsieck Brut Reserve und einem passendem Amuse-bouche. Das nenne ich mal eine Begrüßung und es wäre wünschenswert, von  jetzt an genauso von meinen Freunden empfangen zu werden. Nach diesem glorreichen Auftakt folgten fünf weitere unglaubliche Gänge mit dazugehörigem Champagner und als ob dies nicht genug gewesen wäre, moderierte eine sympathische Französin mit charmanten Akzent jeden Gang und erklärte uns Gästen, welche Traube sich in welchen Champagner befindet. Spätestens bei Champagne Charles Heidsieck Blanc des Millenaires  1995 wurde mir klar, die reichste Frau auf dem Friedhof werde ich mal nicht und forderte den Kellner zum Nachschenken auf. Ich muss zugeben, es war mit Abstand das beste Essen, das ich bis zum heutigen Zeitpunkt  gegessen habe und mein absoluter Favorit war Charles Heidsieck Rosé Reserve. Das bemerkte auch die nette Dame und stimmte mir mit dem Satz – „Mademoiselle – dieser Champagner geht immer“ – zu. Hervorragend! Spätestens jetzt sah ich Peter Zwegart mit seiner Flipchart fluchtartig aus meiner Wohnung rennen.

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Nach diesem Highlight schlenderte ich durch Münster und musste feststellen, dass diese Stadt mein Herz erreicht hat. Die Menschen sind wahre Frohnaturen, die kleinen Bars und die wunderschöne Innenstadt tragen ihren Teil dazu bei. Abgesehen davon ist Münster eine Universitätsstadt, die Größte in Deutschland, und diese zahlreichen Studenten machen diese Stadt noch lebhafter und charmanter. Der geschichtliche Hintergrund ist faszinierend und sollte bei einem Besuch auf jeden Fall berücksichtigt werden. Es ist schon verrückt. Heute hatte ich das unwahrscheinliche Glück, eine Champagnerprobe am selbigen Ort zu genießen, an dem im Juni 1945 der letzte Luftangriff erfolgte und 441 Tonnen Bomben abgeworfen wurden und als ob das nicht genug gewesen wäre, folgten noch über 150.000 Brandbomben. Der letzte Funkspruch lautete: „Münster“ könnt ihr auf der Karte ausradieren…“.

Es liegen gerade mal 70 Jahre zwischen diesem Funkspruch und meinem gemütlichen Rundgang durch die Innenstadt. Mit diesem Bewusstsein sollte man einfach das schätzen, was man hat und in vollen Zügen genießen.

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Mit dieser poetischen Erkenntnis machte ich mich also auf den Weg in mein Hotel, das nicht direkt in Münster lag, sondern im schönen Ostbevern. Genauer gesagt checkte ich in der „Alten Post“ ein. Ein liebevoller, familiärer Betrieb und genauso liebevoll fällt hier die Begrüßung aus. Gut, ich bin ehrlich, ich war hier schon öfter, deswegen werde ich immer herzlichst umarmt und mit den Worten: „Ach die Franzi ist wieder da!“ zu meinem Zimmer begleitet.

 

Ostbevern muss man sich wie eine typische, westfälische Kleinstadt vorstellen: Jeder kennt sich, jeder grüßt sich und jedem sind evtl. Eskapaden an einem Freitagabend schon am Samstagmorgen bekannt. Irgendwie heimisch nur ohne Berge, dafür mit viel Pferden, sehr vielen Pferden. Diese Region ist einfach wunderschön und somit ganz oben in meiner Ranking-Liste, aber ich bin mir sicher, es gibt noch einige schöne Orte auf dieser Welt und genau diese werde ich finden, beziehungsweise mein Navi. Schrieb sie und tippte Essen ein.

Essen im Herzen des Potts. Das Erste was mir dazu einfällt, ist Kohle und Starlight Express. Oder war das doch Bochum? Naja egal, Essen hat bestimmt mehr zu bieten als meine bisherigen Punkte.  Zumindestens hätte ich eine berufliche Perspektive. Ich werde der  1. Klasse-Waggon Pearl in Starlight Express. Ich sehe mich jetzt schon singend und tanzend auf Rollschuhen. Hin- und hergerissen zwischen der veralteten Dampflok Rusty und der modernen E-Lok Elektra. In Konstanz war es die Imperia mit ihren Papst und Priester, im Pott ist es eben Pearl mit Rusty und Elektra. Letztendlich immer das Gleiche. Aber bevor ich mich jetzt in meiner Vorstellung komplett verliere, fahre ich mal weiter, aber zu vor noch schnell mein Resumé!

Freizeitangebot: ♥♥♥

Gastronomie  : ♥♥♥♥♥

berufliche Perspektiven: ♥♥♥♥

Lebenskosten: ♥♥♥

Besonderheiten: ♥♥♥

Menschen: ♥♥♥♥♥

From the east side to the west side ….

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So, es war wieder soweit – der Weekender wurde gepackt. Weekender? Was ist denn mit dem Koffer? Auf gepackten Koffern sitzen, sollte durchaus als Sprichwort gesehen und auf gar keinen Fall wörtlich genommen werden. Es könnte nämlich durchaus passieren, dass eine Rolle des besagten Koffers abbricht und man kopfüber in sein Kräuterbeet kippt.

Also gab es mittags Rührei mit Schnittlauch und der Weekender wurde gepackt. Was eine Herausforderung für sich darstellt. Betrachtet man die lächerliche Größe eines Weekenders und die lebensnotwendigen Dinge, die Frau braucht, grenzt das eindeutig an Schikane der Hersteller.

Allen Schikanen zum Trotz und mit einer ausgeklügelten Einpacktechnik, die sogar MacGyver kopiert hätte, konnte es nun los gehen. Next Stop Straubing. Warum Straubing ? Mit einer Größe von round about 45.000 Einwohner zählt es wohl nicht zu den bevölkerungsreichsten Städten, aber die Einwohner zählen wohl mit zu den Witzigsten. Zu diesem Entschluss kam ich, als ich im Sommer einen Zeitungsartikel über das Gäubodenvolksfest, das zweit größte Volksfest in Bayern, in unserer Tageszeitung las.

In den frühen Morgenstunden kam ein spärlich bekleideter Besucher des Gäubodenvolksfestes zur Wache der PI Straubing. Der alkoholisierte Mann gab gegenüber den Beamten an, dass er sich nach einem ausgiebigen Besuch des Volksfestes in eine Wiese unweit des Festplatzes zum Schlafen legte. Als er aufwachte musste er feststellen, dass Schuhe und Hose samt Handy und Geldbörse fehlten. Er meinte, er sei während er schlief, ausgezogen und bestohlen worden. Schließlich löste sich die abenteuerliche Geschichte schnell auf. Die Beamten halfen dem Mann bei der Ortung seines Handys und so konnten kurz darauf sämtliche vermeintlich gestohlenen Gegenstände in einer Wiese in der Nähe seines Schlafplatzes aufgefunden werden.

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Herrlich, dachte ich mir und deswegen musste Straubing eindeutig auf meine Liste. Das war dann aber auch schon das Aufregendste was Straubing passieren konnte. Freitagabend ca. 21 Uhr ging es sofort in die Innenstadt und da war er – ein Mensch ! Zwei Minuten später war auch dieser weg und mir wurde sofort klar, die Supersause fällt heute aufgrund Menschenarmut aus. Aber mal sehen was der Rest so her gibt. Also ab ins nächste Restaurant. Restaurant am Rindermarkt und vorweg ist schon mal zu sagen  – Volltreffer. Da ich zu den Menschen mit dem Essverhalten, Fleisch mit Beilage Fleisch gehöre, war ich hier genau an der richtigen Adresse und es ist einfach empfehlenswert. Gut gesättigt traf ich mich dann mit meinem persönlichen City Guide. Mit der Gefahr, dass er es liest, City Guide gehört nicht zu seinen Stärken. Auf die Frage: „Wo ist denn hier diese berühmt berüchtigte Persiluhr“, bekam ich lediglich ein: „Da hint irgendwoa!“ „Okay und war nicht Straubing das Wochenenddomizil der Münchner Highsociety?“ –  „Da kimst 10 Jahr zspäd !“ Hervorragend! Da mir bekannt war, dass Straubing von Römern mehr oder weniger gegründet worden war, hätte ich gerne noch ein paar Einzelheiten erfahren, aber spätestens da wurde mir bewusst, ich kauf mir lieber ein Buch darüber.

Am nächsten Morgen entschied ich mich für ein ausgiebiges Frühstück in der Cafebar. Auf dem Weg dorthin lief ich durch den Wochenmarkt. Liebevolle, kleine Stände mit Obst, Gemüse und weiteren frischen Lebensmitteln konnte man hier finden. Davor tummelten sich einige Frauen mit Weidenkörbe. Ob ich jemals mit einem Weidenkorb meinen Samstagseinkauf erledigen werde? Ich höre jetzt schon meine Freundinnen mit sarkastischer Stimme: „Machst jetzt auf Rotkäppchen oder was?“ In der Cafebar angekommen, merkte ich schnell, der Weg hat sich gelohnt. Vom Schlemmen versteht man hier definitiv etwas.

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Im Allgemeinen ist zu sagen, dass Straubing ein wunderschönes Städtchen am bayrischen Wald ist. Die Lage ist nicht zu verachten, da Passau, Regensburg sowie Nürnberg schnell erreichbar sind. Die Lebenskosten befinden sich im Mittelfeld und die zahlreichen Freizeitangebote sind auch vorhanden. Wenn ich mir ein Leben im Reihenhaus, mit Mann, Kind und Hund vorstellen würde, dann wäre Straubing ein idealer Platz dafür. Und jetzt ist wohl auch dem Letzten klar, Straubing wird es wohl nicht – noch nicht!

Drei Stunden später stand ich an der Kirche. Menschen drängten sich durch die Straßen, es duftete nach allerlei Köstlichkeiten und die Straßenmusiker unterhielten die Passanten mit Coversongs der Beatles. Bei den Klängen zu Let it be, biss ich genüsslich in meine Drei im Weckla . Ach Nürnberg kann so schön sein. Nürnberg? An dieser Stelle, sorry Straubing. Ich setzte mich in mein Lieblingscafé, bestellte mir einen großen Latte Macchiato und beobachtete schmunzelnd die Donnerstag-Ein-Mann-Demo, die auch manchmal Samstag stattfindet – Thema wie immer nicht erkennbar, während ich mein Resumé für Straubing abgab.

Freizeitangebot: ♥♥♥

Gastronomie  : ♥♥♥♥

berufliche Perspektiven: ♥♥♥

Lebenskosten: ♥♥

Besonderheiten: ♥♥

Menschen: ♥♥♥

Nun war ich also in Nürnberg, im Herzen von Franken. Diese Stadt zählt schon zur Heimat, da ich hier den Großteil meiner Ausbildung genossen habe. Ein Anruf und ein „Super, ich bin gleich da“ später, stürmte meine Freundin an. Binnin Sekunden wurden gefühlte tausend Informationen ausgetauscht, weitere Pläne für diesen sonnigen Samstag aufgestellt, für absolut absurd erklärt, verworfen und wieder herangezogen, mit dem Satz – naja wird schon gut gehen. Ach Nürnberg ist immer wieder ein Erlebnis wert, aber dazu bald mehr…..

 

3 Tage, 2 Länder und eine Frau

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Ein aufregendes Wochenende war das am Bodensee. Ja ich weiß, wenn man das Wort Bodensee liest dann klingt das genau so spannend wie Kuraufenthalt. Aber weit gefehlt! Schon die Anreise zeigte die Vielfältigkeit dieser wunderschönen Region. Kloster, Kloster, Kloster, Psychiatrie. Anscheinend wird hier sogar auf Single Frauen intensiv eingegangen.

Am Grenzübergang Konstanz – Kreuzlingen angekommen zückte ich schon hoch motiviert mein Personalausweis. Interessierte bloß niemanden. Wahrscheinlich geht von einer Frau in einem Mini keine große Gefahr aus. Ich gebe ja zu, dass dieses Bild eher dem Film „Mr. Bean macht Urlaub“ glich, aber trotzdem ein wenig Aufmerksamkeit wäre wünschenswert gewesen.

Salü Schweiz! Keine 12 Minuten später saß ich schon am Käsefondue und tunkte freudig mein Brötlie in das Kirschwasser. Die Schweizer verstehen etwas von Esskultur und so schloss ich sie sofort in mein Herz.

Am nächsten Morgen bei Sonnenschein stand dann Sightseeing an. Okay es war Mittag und neblig, aber der Blick auf den See bei einer Tasse Kaffee machte alles wieder wett. Und los – ab nach Konstanz! 

neu 5Mein persönlicher Sightseeing Guide und bester Freund aus der Heimat, dem es vor Jahren an den Bodensee verschlagen hat, stand schon in den Startlöchern. 10 Minuten später merkte ich, dass sein Satz wohl hieß: „Ab nach Konstanz, wir laufen!“ und nicht wie ich verstand: „Ab nach Konstanz, wir saufen!“  Also bummelten wir frohen Mutes am Bodensee entlang und da stand sie – meine Kindheit. Okay es war ein Mann – keine Frau, es waren Krähen – keine Spatzen und im Central Park stand ich auch nicht, aber ich fühlte mich wie Kevin allein in New York.

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In Konstanz angekommen war ich sofort von dieser Stadt begeistert. Hier herrschte das blühende Leben. Zahlreiche auf ihre Weise gestaltete kleine Cafes, Boutiquen in verwinkelten Gassen mit diesem gewissen Charme und skurrile Lebenskünstler, die ihren Lebensunterhalt mit aufbrausendem Geklimper auf einem „Klavier to go“ verdienten. Selbst ertappte ich mich dabei, wie ich darüber nachdachte, ob Lebenskünstler eine Alternative für mich wäre. Es gibt eben Menschen, die können gutes Geld mit Singen, Spielen eines Instrumentes oder einer akrobatischen Showeinlage in der Innenstadt verdienen und dann gibt es mich. Mit dem Gedanken, wild klatschend (dies beschreibt wohl mein Talent diesbezüglich am besten) Geld zu verdienen, saß ich wenige Minuten später im Café Pano und gönnte mir ein Stück Kuchen.

neu 4Gefühlte 100 Läden, eine glühende Karte, ein müde wirkender Tour Guide und ein Sektchen aus der Dose später waren wir an der Imperia angekommen. Eine neun Meter hohe, beeindruckende, gut geformte Frau aus 18 Tonnen Beton ! Auf ihrer linken erhobenen Handfläche ein zwergenhafter Mann, der mit dem Tragen eines Tiaras den Papst darstellte und auf ihrer Rechten ein Mann mit Krönchen, das war wohl dann der Kaiser. Natürlich wollte ich mehr über diese Frau wissen und löcherte meinen Guide, der mir lediglich mit entsetzter und flüsternder Stimme eines entgegen bringen konnte: Das war eine Hure! – Aha ! Höchst interessant ! Sofort zückte ich mein Handy und musste dessen auf den Grund gehen. Ein Wikipedia-Eintrag später stellte ich fest, er hatte recht. Eine Kurtisane ! Ich war empört und gleichzeitig wurde mit einem Satz aus selbigem Eintrag wieder mal alles bestätigt. „Kaiser und Papst sind Spielball ihrer eigenen Libido“. Dieses Problem ist anscheinend schon über einige Epochen bekannt. Wer kennt sie nicht, diese Kaiser und Päpste!

Da mein Tour Guide von meinem Vorschlag eine After-Shopping-Revival-Party zu halten nur peripher Interesse zeigte, entschieden wir uns für ein kurzes Päuschen zu Hause, um uns anschließend ins konstantiner Nachtleben zur stürzen. Die Zeit nutzte ich teilweise sinnvoll und informierte mich über die Lebenskosten in Kreuzlingen (CH). Eine wunderschöne, neu sanierte 95 qm Wohnung mit einem minimalistischen Blick auf den Bodensee und einem Stellplatz fürs Auto würden mich knappe 1870 Franken kosten. Das wären nach aktuellem Kurs 1682,87€ oder 1683 wild klatschende Stunden in der Innenstadt. Ein super Freizeitangebot, dass sich vom Surfen bis zum Eislaufen erstreckte sowie der See, der das Lebensgefühl sofort ansteigen lässt, haben nun mal seinen Preis. Meine Recherchen wurden kurzerhand unterbrochen, als ich das einmalige Angebot bekam einige Runden fliegen zu dürfen und zwar mit niemand anderen als mit Looping Louie. Ich werde darauf nun nicht näher eingehen. Die Kenner können es sich denken und den Unwissenden empfehle ich es dringend nach zu holen.

Nach einigen rasanten Runden entschieden wir uns dann für eine anständige Grundlage und fuhren vorbildlich mit einem Taxi ins il boccone. Schon der Gedanke an dieses Essen hat explosionsartige Auswirkungen auf meine Speicheldrüsen. Passend dazu das ganze Ambiente, die Liebe zum Detail und das zuvorkommende Personal machen diesen Besuch unvergesslich.

neu 6Nun stand dem Nachtleben nichts mehr im Wege abgesehen von der 400 Meter Schlange vor der ersten Location. Also ging es spontan zur Nächsten. Konstanz hat da einiges zu bieten und so landeten wir im Berry´s. Mit der Frage: „Darf ich dich auf ein Getränk einladen“, wurde ich anscheinend schon von der konstantinischen Bevölkerung erwartet. Dem war nichts negatives entgegen zu bringen. Jedoch die zweite „Frage“ brachte es zum Vorschein und es war nicht mehr zu leugnen. Bis(ch)t Ers(ch)ts(ch)emes(ch)ter? Da stand er – Der Schwabe! Wie konnte mir das bei der ersten Frage entgehen? „Darf ich dich auf ein Getränk einladen“ enthält nun mal kein S Laut und so beantwortete ich mir meine Frage selbst. Trotz zeitweisen massiven Kommunikationsschwierigkeiten ist unterm Strich zu sagen, dass die Konstantiner und ihre zugezogenen Studenten ein durchaus nettes Volk sind, das sich sehen lassen kann. Es war einfach ein gelungener Abend – ein gelungener Trip.

Ich habe gefeiert, gelacht, getanzt und ein wenig gelitten – an Fußschmerz – aber das war es wert.

So komme ich zu meinem Resumé und verteile meine fünf möglichen Sinn-City-Herzen!

Freizeitangebot: ♥♥♥♥♥

Locations: ♥♥♥♥

berufliche Perspektiven: ♥♥♥

Lebenskosten: ♥

Besonderheiten: ♥♥♥

Menschen: ♥♥♥♥

Bye Konstanz / Kreuzlingen wir sehen und definitiv wieder!

Next Stop – Straubing!