Fei, Graffel, Duusl, Dübb – Ja, ich bin Franke – Danke !

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Dieser Bericht ist ein klassisches Musterbeispiel, wie aus einem Organisationsproblem ganz schnell ein Zeitproblem werden kann. Somit wird eben noch im Januar über einen der schönsten Weihnachtsmärkte in Deutschland berichtet – aber von vorne. Nach meinem aufbrausenden Erlebnissen in Leipzig musste ganz dringend etwas Heimat her und was bot sich da besser an als Nürnberg. Also wurden 1 – 2 Kleidungsstücke oder vielleicht waren es auch 95 in den Mini geworfen und es ging ab in die fränkische Metropole. Da erwartete mich schon ein Haufen an Freundinnen. Es waren nicht irgendwelche Freundinnen, sondern es waren DIE Freundinnen, die sich ständig aus dem Staub machen, weil sie meinen, sich auf dem gesamten Globus verteilen zu müssen. Begrüßung – Glässchen fränkischer Vino – Couch ! Und schon ging es los, mit einer atemberaubenden Präsentation meiner Freundin und ihrem neu erworbenen Kameraequipment. Nach gefühlten 1736 Lachanfällen, 48376 Google- Suchbegriffen über Kameraeinstellungen und 3736 Whatsapp-Nachrichten an Kenner für Kameraeinstellungen, ballerten wir alles hin und stürmten die Nürnberger Innenstadt. Und da war sie.

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Meine heißgeliebte drei im Weckla Bude, vor der pompösen Lorenzkirche. Ein absolutes MUSS. Gut gestärkt konnte es also nun zum Christkindlesmarkt gehen. Die Stärkung war auch bitter notwendig, da aufgrund eines Kommunikationsproblems mit der etwas verwirrten Glühweinbudenbesitzerin, es kein einfacher Glühwein wurde, sondern einer mit einem extra großen Schuss Schnaps. Hervorragend. Also bummelten wir mit unserem Glühwein alias Schnapswein  durch den Markt und was soll ich sagen – er ist einfach grandios. Überall duftet es nach Weihnachtsgebäck, nach fränkischen Köstlichkeiten oder anderen Leckereien in Form von Grillgut. Die Menschen sind fröhlich und jeder Stand bietet etwas anderes an. Von Schmuck bis ja okay, etwas skurrilen Holzschnitzereien, die man dann an seinen Weihnachtsbaum werfen kann, notfalls aber auch in den Kamin.

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Nach weiteren 13 Zwischenmahlzeiten waren wir endlich an der Feuerzangenbowle angekommen. Ein kleiner Stand mit einem riesigen, brennenden Zuckerhut auf dem Dach. Traditionell wurde auch dieser einmal probiert und wie die letzten 10 Jahre für gut erklärt. Dann bahnten wir uns den Weg durch die Menschenmassen, um uns in einer der zahlreichen Bars niederzulassen. Und da passierte es! Wir liefen vorbildlich im Entenmarsch hinter einander her, als ich einen unsanften Griff in meinem Schritt bemerkte und der Übeltäter eine noch unsanftere Ohrfeige von mir kassierte. Die gesamte Menschenmasse kam darauf zum Stillstand und alles was man dann noch hörte, war meine Freundin mit der Frage: Alter, hast du den jetzt vermöbelt? Daraufhin ein Herr aus dritter Reihe: „Ja“ und es erfolgte ein tosender Applaus. Mit diesem Applaus verliessen wir die „Bühne“.

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Keine 15 Minute später saßen wir endlich im Australian, eine wunderschöne Bar in Burgnähe. Was Bars betrifft, kann Nürnberg Niemandem so schnell was vor machen. Vom California, zum Stockholm bis hin zur Bar Nürnberg. Jede hat ihren eigenen Charme und jede Einzelne lädt zum Verweilen ein. Aber Nürnberg hat nicht nur tolle Bars, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten, sondern einen unglaublichen, geschichtlichen Hintergrund. Vor allem, wenn man bedenkt, dass vor 70 Jahren in dieser Stadt die Nürnberger Rassengesetze einstimmig beschlossen und die antisemitische Ideologien auf eine juristische Grundlage manifestiert wurden. Somit nahm das darauf folgende Elend seinen Lauf. Wen wundert es also, dass Nürnberg zum häufigsten Ziel alliierter Luftangriffe gehörte und so sehr beschädigt wurde, dass die Überlegung bestand, die Stadt komplett aufzugeben und eine neue zu errichten. Zum Glück entschied man sich für den Wiederaufbau und so blieb die historische Stadtstruktur für uns erhalten. Burg, Burggraben und alles was so dazu gehört.

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Die Innenstadt ist übersät von wunderschönen, kleinen Geschäften, die geradezu zum Shoppen einladen. Diese Einladung wurde natürlich auch gleich am nächsten Tag dankend angenommen. Zwei Einkaufsmeilen von der Lorenzkirche bis zum Weißen Turm lassen nun mal Frauenherzen höher schlagen. Nach einem erfolgreichen Schlachtzug war nun die Nahrungsaufnahme auf dem Plan gestanden und nun der absolute Geheimtipp: Karstadt Feinschmeckerabteilung! Hier findet man alles, was den Gaumen in andere Sphären katapultiert. Man benötigt nur ein wenig Glück, um einen Platz an der Theke zu ergattern. Wenn man sich dann aber einen Platz geschnappt hat, kann man entweder zwischen Fisch oder Fleisch, das direkt vor einem zu bereitet wird, wählen. Wir entschieden uns für eine Portion Muscheln geküsst von Weißwein und dazu klassisch Weißbrot. Das sind übrigens diese Momente, in denen man das Leben einfach genießt und sich in 50 Jahren noch daran erinnern wird. Für den einen wird es nur ein Essen sein, für mich war es mein Lieblingsgericht mit meinen Lieblingsmenschen in einer meiner Lieblingsstädte. So, jetzt sagen sich wahrscheinlich einige, wenn sie Nürnberg so toll findet, dann soll sich doch nach Nürnberg gehen. Dazu sage ich nur eins: „Nur Gulaschsuppe schmeckt aufgewärmt.“ Nürnberg war schon ein Teil meines Lebens! Hier habe ich gearbeitet, meine zweite und dritte Ausbildung absolviert, kenne jede Bar, jedes Restaurant, jeden Club – kurz gesagt: Es muss einfach etwas Neues her. Was ich aber auf jeden Fall mitnehmen werde, ist der heißgeliebte fränkische Dialekt, ein bisschen Kultur muss eben sein. Allmächd, was wär a Franke ohne Dialekt! Deswegen möchte ich für „Äusländer“ eine kleine Hilfestellung geben, damit sie sich in Franken gleich zu recht finden. Hier also einige fränkische Schmankerl:

Broudwoschd: wichtiger Begriff für den Alltag in Franken, vor allem in Nämberch, wo in der Innenstadt zahlreiche Broudwoschdbuden stehen. An diesen Bratwurstbuden bestellt man Drei im ->Weggla, drei kleine Bratwürste im Brötchen.

Duusl: Der Franke hat kein Glück, er hat Duusl. „Da hast ->fei an Dussl ghabt“, heißt es nach solch einem guten Ende.

Dübb: Das T und das P schätzt man in Franken bekanntlich wenig, es ist also nur konsequent, dass aus dem „Typ“ der „Dübb“ wird.

Fei: Ein unglaublich praktisches Füllwort, das alles und nichts heißt, und damit so gut wie überall verwendet werden kann. „Fei“ soll dem Gesagten Nachdruck verleihen . „Ich hab fei ka Zeid“ entspricht etwa „ich habe wirklich keine Zeit“. „Du musst fei noch die Spüle ausräumen“ will heißen „vergiss ja nicht, die Spüle auszuräumen“.

Graffl: bedeutet so viel wie Kram oder Gerümpel. Der bekannte Flohmarkt in -> Fädd nennt sich deshalb Graffelmarkt. Das Wort kann im Alltag aber für jegliche Ansammlung von Dingen verwendet werden. Wenn man aufgefordert wird, sein „Graffl“ zusammenzupacken, muss es sich dabei also nicht um etwas Altes, Abgenutztes handeln, sondern es kann genauso gut das neue Handy gemeint sein. (Quelle:SZ)

Für weitere Auskünfte stehen wir Franken gerne zur Verfügung und versuchen eventuelle  Sprachbarrieren aus dem Wege zu räumen. So nun zu meinem Resumé:

Freizeitangebot: ♥♥♥♥

Gastronomie  : ♥♥♥♥

berufliche Perspektiven: ♥♥♥♥♥

Lebenskosten: ♥♥♥

Besonderheiten: ♥♥♥

Menschen: ♥♥♥♥♥

 

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Ein Gedanke zu “Fei, Graffel, Duusl, Dübb – Ja, ich bin Franke – Danke !

  1. dein artikel ist herrlich erfischend. genauso empfinde ich meine lieblings- und heimatstadt auch. einfach nur grandios. allmächd soch iich da bloas 😉 und frei mich auf d gneibendur in der aaldstadd.
    servus
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